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Erste Schritte in Richtung Integrierte Versorgung

Kongress für Gesundheitsnetzwerker zur Praxis Neuer Versorgungsformen: Daten zur Versorgung fehlen – Ausgestaltung der IV-Verträge? – Informationen für Patienten

"Wir reden fast nie über die Versorgung" konstatierte Dr. Klaus Theo Schröder, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, zur Eröffnung des Kongresses für Gesundheitsnetzwerker unter dem Leitmotiv " Die Praxis neuer Versorgungsformen". In der ständigen Verteilungsdiskussion zur Zukunft von Krankenhäusern, Arztpraxen und Apotheken ginge unter, dass "die begrenzten Mittel viel gezielter eingesetzt werden könnten", wenn man im Sinne des einzelnen Patienten sektorenübergreifend besser zusammenwirken würde, erklärte Schröder am 9. März im Berliner Virchow-Klinikum.

In einer älter werdenden Gesellschaft mit steigender Multimorbidität und der Zunahme chronischer Krankheiten sei es notwendig, Gesundheitsnetzwerke zu knüpfen und weiterzuentwickeln. Die Integrierte Versorgung (IV) ist und bleibe eine Orientierung der Zukunft. In elf von 16 Bundesländern gäbe es mittlerweile Hausarztsysteme, im Bundesgebiet seien 340 Medizinische Versorgungszentren (MVZ) angesiedelt und die Krankenhäuser öffneten sich für die ambulante Versorgung. Insgesamt stimme ihn die Entwicklung "hoffnungsfroh", so Schröder, auch wenn es im einzelnen Verbesserungsbedarf gäbe.

Zentraler Bestandteil der Entwicklung von Integrationsmodellen müsse die Versorgungsforschung sein, um beurteilen zu können, wo "managed care" sinnvoll ist und wo nicht, betonte Prof. Dr. Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen an der Technischen Universität Berlin. Auch von anderen Kongressteilnehmern wurden "Daten über die Versorgung" dringend angemahnt. Zwar verwies Schröder in diesem Zusammenhang auf den Kinder- und Jugendsurvey des Robert Koch-Institutes, musste aber selbst Optimierungsbedarf in der Versorgungsforschung feststellen. Vor dem Hintergrund internationaler Beispiele warf Busse die Frage auf, welche Integration an welchen Schnittstellen möglich und gewünscht ist: Hausärzte - Fachärzte? Alle ambulanten Leistungserbringer? Stationär - ambulant?

Die neuen Versorgungsformen (IV und MVZ) sind im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung des Gesundheitssystems entstanden. Ziel sind finanzielle Einsparungen, zum Beispiel durch die nun mögliche Abstimmung von stationärer und ambulanter Versorgung, welche zuvor aus völlig getrennten "Töpfen" finanziert wurden. In der Umsetzung der neuen Ansätze käme es letztlich auf die Beteiligten an, hob Kongresspräsident Dr. Uwe K. Preusker hervor, der Anfang März weit über 300 Teilnehmer aus diversen Versorgungsbereichen begrüßen konnte, die mit neuen Ideen nach Berlin gekommen waren und durchaus - so ein Zuhörer - Bereitschaft zeigten, "die eigene Festung zu verlassen". Und auf den Patienten, ergänzte Moderatorin Lisa Braun, Presseagentur Gesundheit Berlin. Dieser würde "ernster genommen", zumal er sich zwischen verschiedenen Optionen entscheiden müsse. Um Leistungsangebote miteinander vergleichen zu können, bräuchten Patienten "relevante Informationen", unterstrich Prof. Dr. Joachim Roski, Vizepräsident des National Committee for Quality Assurance (NCQA).

"Wichtigste Zielgröße des Gesundheitswesens ist nicht mehr die Episode von Krankheit, sondern der Alltag des Bürgers", schloss Dr. Markus Müschench, Medizinischer Vorstand des Vereins zur Errichtung evangelischer Krankenhäuser e.V., Berlin. An den Alltag gelte es anzuknüpfen, auch, um Krankheit zu verhindern. Dr. Reinhard Uppenkamp, Vorsitzender des Vorstandes der Berlin-Chemie AG, formulierte es drastischer: "Neben den USA sind wir der größte Produzent von Krankheit." Gute Versorgung bedeute "Case management", im Vorfeld von möglicher Erkrankung jedoch insbesondere Gesundheitsschulung und Prävention für den informierten Bürger.

Konkret habe das Hausarztmodell der Barmer Ersatzkasse "viel Bewegung in die Landschaft" gebracht und Defizite in der Versorgung aufgezeigt, erklärte Dr. Ulrich Weigeldt, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: 1,4 Millionen Patienten seien beteiligt, 36.000 Hausärzte und etwa 19.000 Apotheker. Außerdem wurden bis Ende 2005 1919 IV-Vorhaben an die Registrierungsstelle der BQS gemeldet, ergänzte Frank Jäger, Gesamtprojektleiter für Integrierte Versorgung bei der DAK, zu der allein 230 dieser IV-Vorhaben gehören. Diskutiert wurden in Berlin insbesondere die Zielsetzungen, Erfolgskriterien und Ausgestaltungen von IV-Verträgen (siehe auch Beitrag: "Welche Relevanz haben neue Versorgungsformen für Psychotherapeuten?").

Karin Dlubis-Mertens
Öffentlichkeitsreferentin des VPP im BDP

22.3.2006

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