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KV Berlin: 81 Euro werden definitiv bezahlt ... zumindest in den
ersten beiden Quartalen 2009
„Psychotherapiehonorare: Alles paletti für die PsychotherapeutInnen
in der KV?“ - so der Titel einer Veranstaltung, zu der der VPP-Landesfachverband
Berlin gemeinsam mit dem Berliner Verband der Vertragspsychotherapeuten Ende
Februar in Berlin eingeladen hatte. Dass nicht alles „paletti“ zu
sein scheint, bewiesen allein die 150 Psychotherapeuten, die in den Veranstaltungsraum
drängten um zu hören, welche Perspektiven die Vergütungsreform über
das Jahr 2009 hinaus bietet.
„Alle stochern im Nebel“, so beschrieb Jürgen Doebert,
Mitglied im Arbeitsausschuss des Bewertungsausschusses und Mitglied im Beratenden
Fachausschuss Psychotherapie der KBV, die derzeitige Situation wenige Monate
nach der bundeseinheitlichen Regelung der Psychotherapiehonorare. Nur kurz
habe sich die Psychotherapeutenschaft über die 81 Euro pro Therapiesitzung
freuen können, die nunmehr im EBM 2009 festgeschrieben und von Berlin
bis Bayern garantiert seien. Der Vergütungsanspruch habe sehr schnell
zu größten Sorgen bei den KVen geführt, dass mehr als die
bundesweit veranschlagten 156 Millionen Euro zusätzlich benötigt
werden könnten.
Horrorszenarien von Psychotherapeuten, die nun alle plötzlich 36 Stunden
genehmigungspflichtige Psychotherapie pro Woche ableisten und abrechnen könnten,
Stichwort „mögliche Mengenausweitung“, hätten dazu
geführt, dass bereits im Februar 2009 über Veränderungen an
der Honorarsystematik nachgedacht wird, noch „ehe man ein vernünftig
ausgewertetes Quartal hat“. Dies sei laut Doebert eine „völlig
windige Situation“ und der erfahrene Berufspolitiker plädierte
entschieden dafür, die neugewonnene Regelung nicht bereits ab Juli schon
wieder zu ändern, auch wenn das Problem bestehen bleibe, „dass
der einzelne Psychotherapeut nicht merkt, wenn er in den Bereich kommt, in
dem die KV kein Geld mehr hat“.
Dr. Uwe Kraffel, stellvertretender Vorsitzender des KV-Vorstands Berlin,
brachte in aller Deutlichkeit zum Ausdruck, dass die KV vorhabe, die notwendigen
Mittel bei den Krankenkassen einzufordern. Das Problem hätten nicht
die Psychotherapeuten:„81 Euro werden definitiv bezahlt.“, wobei
seine Einschränkung gleich hinterher kam: „…zumindest für
die ersten zwei Quartale“ (Anm. der Red.: 2009). Nach seiner Darstellung
würde schon die in 2007 erbrachte Leistungsmenge unter der Maßgabe
der Honorarerhöhung (zum Vergleich: in Berlin 2. Quartal 2008: 66,61
Euro pro Psychotherapiestunde, 1. Quartal 2009: 81 Euro) den „Topf
sprengen“, zumal der Anteil an Psychotherapien für in Berlin behandelte
Patienten aus Brandenburg hinzugerechnet werden müsste. Dazu merkte
Eva Schweitzer-Köhn, stellvertretende Vorsitzende des VPP im BDP und
Vertreterin der Psychotherapeuten in den KV-Gremien, am Rande der Veranstaltung
an: Die Gelder für diese Leistungen erhalte die KV durchaus aus dem
sog. Fremdkassenzahlungsausgleich. Allerdings landeten sie nicht im „Psycho-Topf“,
sondern im RLV-Vergütungsvolumen und kämen damit den übrigen Ärztinnen
und Ärzten zugute und stünden nicht für die Honorierung der
Psychotherapie zur Verfügung.
Vor dem Auditorium machte Schweitzer-Köhn deutlich, dass die zugrundeliegenden
Zahlen aus Versorgungsperspektive äußerst knapp kalkuliert seien: „In
Berlin steht für das Jahr 2009 eine Summe von 115.205.966,50 € für
die genehmigte Psychotherapie zur Verfügung. Diese ergibt bei 81€ pro
Therapiestunde 1.422.296 Therapiestunden. Bei angenommen 40 Therapiestunden
im Jahr, das wäre ca. eine Sitzung pro Woche, kann man damit 35.557
Menschen psychotherapeutisch behandeln. Bei 3.424.764 Einwohnern in Berlin
wären das 1,04 % der Bevölkerung. Das Forschungsgutachten zu Fragen
eines Psychotherapeutengesetzes von Meyer, Richter, Grawe et. al. stellte
1991 einen Versorgungsbedarf in Großstädten von 8% der Bevölkerung
fest. Davon sind wir also weit entfernt.“
Bei allen Begehrlichkeiten in Richtung der vermeintlich hohen Ausgaben
für Psychotherapie sollte, so Schweitzer-Köhn, im Blick behalten
werden, „dass es um die psychotherapeutische Versorgung der Bevölkerung
geht, um die notwendige Behandlung von Menschen, denen es schlecht geht.
Alle sogenannten Gesundheitsreporte der Krankenkassen der letzten Jahre weisen
eine Zunahme psychischer Erkrankungen auf mit erheblichen Folgekosten durch
Arbeitsunfähigkeitstage, Chronifizierung und Frühberentung.“
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