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VPP wird Muster-Weiterbildungsordnung weiter kritisch begleiten

Die Delegiertenversammlung des 8. Deutschen Psychotherapeutentages hat am 13. Mai eine Muster-Weiterbildungsordnung (MWBO) für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten verabschiedet – insbesondere mit dem Ziel, dass zukünftig Patienten mit hirnorganisch bedingten psychischen Störungen von Psychologischen PsychotherapeutInnen sowohl in Kliniken als auch ambulant behandelt werden könnten. „Die neue Muster-Weiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer schafft eine Voraussetzung, die neuropsychologische Behandlung als psychotherapeutische Methode zu genehmigen.“ heißt es in der Meldung der BPtK vom 15.Mai.

Es gab im Prozess der Entwicklung viele Bedenken gegenüber einer MWBO, die auch der VPP in die Diskussion eingebracht hatte (s. Artikel von Hans Schumacher). Dadurch konnte erreicht werden, dass im jetzt abgestimmten Entwurf in §1 ausdrücklich festgelegt ist, dass eine Weiterbildungsordnung keine Einschränkung des Tätigkeitsspektrums für Approbierte bedeutet, wie es der VPP gefordert hatte, und damit keine Entwertung der Approbation stattfindet. Der jetzt verabschiedete Entwurf der Weiterbildungsordnung bezieht sich ausschließlich auf Bereiche außerhalb des Diagnosespektrums F1 - F9 der ICD-10 und stellt damit eine Erweiterung des Behandlungsspektrums für Psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und Jugendlichen-PsychotherapeutInnen dar. Spezialisierungen auf einzelne Störungen stellen keinen Bereich dar.

Weiterbildung kann zu ankündigungsfähigen Zusatzbezeichnungen führen, nicht aber zu Tätigkeitsbeschränkungen für nicht weitergebildete Berufsangehörige. Die Forderung nach Anerkennung von Leistungen aus der Psychotherapie-Ausbildung ist in § 3 (6) aufgenommen. Weiterbildung hat gegenüber der Fortbildung juristisch einen anderen Stellenwert. Fortbildung ist lt. Heilberufegesetz Pflicht für alle Approbierten und dient lt. Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg dazu „das fachliche Wissen gegen das Vergessen zu schützen und dem fachlichen Fortschritt anzupassen“(...) „und zwar nicht nur auf einzelnen Spezialgebieten, sondern auf der ganzen fachlichen Breite des Berufes“. Weiterbildung ist freiwillig und dient dem Erwerb zusätzlicher Kenntnisse für zusätzliche Bereiche.

Die PT-Kammern haben mit der durch die Heilberufegesetze der Länder übertragenen Regelungsbefugnis über die Weiterbildung eine wichtige Definitionshoheit. Mit der MWBO verbindet sich die Hoffnung, die Position der Psychologischen PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen im Gesundheitswesen insgesamt zu stärken. Wenn auch die Einführung einer MWBO nicht zwingend die Änderung sozialrechtlicher Vorschriften zur Folge hat, so verbindet sich mit der MWBO doch die Hoffnung, dass die gegenwärtigen sozialrechtlichen Bestimmungen zugunsten der PsychotherapeutInnen geändert werden können. Zumindest können die sozialrechtlichen Entscheidungsträger ihre Entscheidungen jetzt nicht mehr wie bisher mit fehlenden berufsrechtlichen Regelungen bei den PsychotherapeutInnen begründen.

Dies betrifft im Moment insbesondere die klinische Neuropsychologie, der akut eine Abstufung zum „Heilmittel“ durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) drohte. Die Tätigkeit der Neuropsychologen würde dadurch auf die gleiche Stufe gestellt wie z.B. die Tätigkeit von Ergotherapeuten. Dies entspricht etwa der Sichtweise in vielen Kliniken, in denen die Approbation nicht als Berechtigung zur eigenverantwortlichen Ausübung der Heilkunde verstanden wird und Psychotherapeuten nach wie vor auf Anweisung eines Arztes tätig sind. Eine Ablehnung der MWBO hätte diese Sichtweise bekräftigt. Durch die Verabschiedung der MWBO und der damit verbundenen Definition von Qualitätsstandards wird die Neuropsychologie als eigenverantwortliche Ausübung von Psychotherapie definiert. Die Abwertung zum Heilmittel soll damit abgewendet werden. Grundsätzlich sollte nach Ansicht des VPP die Weiterbildungsordnung Psychologischen PsychotherapeutInnen und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen neue Indikationsbereiche eröffnen, die sonst medizinischen Berufsgruppen, ÄrztInnen und Heilhilfsberufen, überlassen würden.

Es wird nun Aufgabe der VPP-Vertreterinnen und Vertreter in den Landespsychotherapeutenkammern und in der Bundespsychotherapeutenkammer sein, die jetzige MWBO kritisch zu begleiten und darauf zu achten, dass folgende Prinzipien weiter eingehalten werden: Keine Einschränkung der Approbation, Erweiterung des Behandlungsspektrums für Psychologische PsychotherapeutInnen für weitere Indikationsgebiete und maximale Anerkennung von Inhalten aus der Psychotherapie-Ausbildung und dem Studium.

Eva Schweitzer-Köhn
Hans-Werner Stecker
Heinrich Bertram
Bundesvorstand des VPP im BDP

19.5.2006