Zur BDP-Website Verband Psychologischer Psychotherapeuten
Zur Startseite
Meldungen
Fach- und Berufspolitik
Gesetz / Zulassung
Der VPP
Psychologie für alle
Jobs / Ausbildung
Service / Kontakt
Mitgliedschaft im BDP
Mitgliederbereich

Suche auf den Seiten des BDP
Zurück

    
    

Psychotherapeutenverbände müssen gemeinsam handeln

Das Jahr 2003 war ein intensives aktives Jahr für die Berufspolitik. In dieser Zeit hatte der VPP die Federführung innerhalb der Arbeitsgemeinschaft Psychotherapie (AGP), dem Zusammenschluss der Verbände der »Methodenvielfalt in der Psychologischen Psychotherapie«, wie auch im Gesprächskreis II (GK II), in dem alle 32 Berufs- und Fachverbände der PP vertreten sind. Wir konnten dort eine Reihe unserer berufspolitischen Ziele, vor allem die Vorstellung einer gelingenden Zusammenarbeit der Verbände – also auch mit den gemischten Verbänden (Psychologen plus Ärzte) – umsetzen. In einen sehr strengen Widerpart zu diesem Verbändezusammenschluss – bis zu einer ausgeprägten Feindschaft gegenüber Psychologen – haben sich jedoch der Verband der Fachärzte für psychotherapeutische Medizin und die in der ständigen Konferenz der Ärzteverbände (Stä- Ko) zusammengeschlossenen Ärzteverbände gesetzt. Deren Vertreter haben in einigen Abteilungen des Gesundheitsministeriums entscheidenden Einfluss, was beim Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) deutlich festzustellen war.

Die GK II-Verbände wählten aus ihrer Mitte eine Kommission von sechs Kollegen, zu denen auch die Bundesvorsitzende des VPP und damalige Sitzungspräsidentin des GK II, Frau Dr. Schäfer, und in ihrer Vertretung der Verfasser dieses Beitrags gehörten. Diese Kommission vertrat in zahlreichen Gesprächen mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Krankenkassen und vor allem mit allen bei den Reformverhandlungen zwischen Regierung und Opposition maßgeblichen Politikern die gemeinsamen Positionen:

  1. Erstzugangsrecht beim Psychotherapeuten.
  2. Psychotherapie in der Pflichtversorgung, also keine freiwillige Wahlleistung.
  3. In allen Fragen der psychotherapeutischen Versorgung, in denen die Bundesärztekammer Einfluss nimmt, muss die Bundespsychotherapeutenkammer einen mindestens gleichwertigen Platz einnehmen.
  4. In den Gremien der Selbstverwaltung muss der Einfluss der Psychotherapeuten entschieden ansteigen. Hierbei soll das Prinzip des eigenen Versorgungsbereichs durchgängig organisiert werden. Das verbirgt sich hinter dem Schlagwort »Dreisäulenmodell«, das heißt, Hausärzte, Fachärzte, Psychotherapeuten müssen auf allen Ebenen der KV und der KBV eigenständig vertreten sein und in ihren jeweiligen Belangen die Verhandlungen federführend führen. In Entscheidungen der Psychotherapie sind in den Vertreterversammlungen nur die Psychotherapeuten stimmberechtigt. Bei allen Fragen der psychotherapeutischen Versorgung muss der Beratende Fachausschuss hinzugezogen werden und hat gegenüber den Vorständen der KV und KBV, in denen die Psychologischen Psychotherapeuten gleichwertig vertreten sind, das Antragsrecht. Die Zusammensetzung der Fachausschüsse entspricht der tatsächlichen prozentualen Zahl der PP und der mehr als 50 Prozent psychotherapeutisch arbeitenden Ärzten.

Alle politischen Vertreter wie z.B. Herr Seehofer, Dr. Thomae, Frau Kühn-Mengel und Frau Bender bekundeten deutlich ihre Sympathie für diese Vorstellungen, die inzwischen auch von der neu gegründeten Bundespsychotherapeutenkammer parallel in allen wesentlichen Positionen vertreten wurde. Die KBV näherte sich in ihren Vorstellungen zur Strukturreform deutlich diesem Modell an. Dies alles schien deutlich ein Erfolg des seit vielen Jahren erstmalig erfolgten geeinten Vorgehens der Verbände.

Bis zu dem letzten Einigungsgespräch zwischen Frau Schmidt und Herrn Seehofer, welches nur die fiskalische Entlastung der Krankenkasse bei möglichst wenig Veränderung in den bestehenden Strukturen zum Ziel hatte. Hier waren die Positionen der Verbände gar nicht zu finden, bis hin gar zu einer Verschlechterung der Integration der PP. Dies führte wiederum dazu, dass die KBV alle die die Psychotherapie und die Psychotherapeuten stützenden Strukturreformen wieder strich, da sie nun plötzlich nicht mehr seitens der Politik bedroht war. Also eine herbe Enttäuschung der so geeint aufgetretenen Verbände!
Daraus kann jedoch nur folgen, dass die Verbände diese geeinte Lobbypolitik die nächsten Jahre bis über die nächste Bundestagswahl hinaus fortsetzen müssen.

Heinrich Bertram
Stellvertretender Bundesvorsitzender des VPP